aerokurier  02/2010

SkyRanger SW: Das Flugzeug fürs Volk

SkyRanger SW Volksflugzeug

Ein „Volksflugzeug“ zu entwickeln, haben sich schon mehrere Hersteller auf die Fahnen geschrieben. Beim SkyRanger SW ist zumindest der Preis volkstümlich.

Der Rohr-Tuch-Schulterdecker ist ein Mix aus dem klassischen SkyRanger und der ultraleichten Nynja, beides Modelle des französischen Herstellers BestOff. Das UL kombiniert den bespannten Rumpf des SkyRangers mit dem Flügel der Nynja, der 8,80 Meter Spannweite misst und über Wingtips verfügt. Unter der Cowling arbeiten verschiedene Zwei- und Viertaktmotoren aus dem Hause Sauer mit 65 bis 100 PS. Ab 38000 Euro ist das neue Flugzeug zu haben, das demnächst die Musterzulassung vom DAeC erhalten soll.

Hinter der neu gegründeten Volksflugzeug GmbH stehen Liliana und Martin Manthey, deren Unternehmen Flugmotorenbau Sauer in der Branche bekannt ist.


Fliegermagazin 02/2010


 
14. Februar 2012  | pel

Eine neue Nase für das Volksflugzeug

Hochschule RheinMain – In der Ultraleichtflug-AG haben Studenten und Dozenten einen Bausatz modifiziert

Gemeinschaftswerk:  In der von Professor Peter Fröhlich (Dritter von rechts) gegründeten Ultraleichtflug AG haben Studenten unter Leitung von Uwe Bernhardt (rechts) den Bausatz eines Ultraleichtflugzeuges  verbessert.  Martin Manthey (Zweiter von links), Vertreter des Herstellers,  freut es.      Foto: Frank Möllenberg
| Vergrößern | Gemeinschaftswerk: In der von Professor Peter Fröhlich (Dritter von rechts) gegründeten Ultraleichtflug AG haben Studenten unter Leitung von Uwe Bernhardt (rechts) den Bausatz eines Ultraleichtflugzeuges verbessert. Martin Manthey (Zweiter von links), Vertreter des Herstellers, freut es. Foto: Frank Möllenberg


Schuljungen könnten keine leuchtenderen Augen haben als die Studenten, Dozenten und auch der gestandene Professor in der Werkshalle der Hochschule RheinMain, wo die Ultraleichtflug AG (ULF AG) ihr Domizil hat. Dort stand ein Jahr konstruktive, kreative und vor allem kollektive Arbeit ganz im Zeichen des Traums vom Fliegen.

Das Ergebnis stand gestern nahezu fix und fertig in der Halle und breitete perlweiße Tragflächen aus, ein schicker Hochdecker mit Kabine, Propeller, dreirädrigem Fahrgestell und 8,5 Meter Spannweite. Ein Jahr lang war das Flugzeug Spielwiese und Erprobungsstück für zahlreiche Studien- und Masterarbeiten, kitzelten junge Leute aus einem an sich schon pfiffigen Bausatz kreative Mehrwerte heraus.
Entsprechend zufrieden ist man auch beim Hersteller des Bausatzes, der Firma Volksflugzeug GmbH aus Ober-Olm, die seit 2010 die alte Ferdinand Porsche-Idee vom Volkswagen nun für den Himmel über der Republik umsetzt und den Bausatz eines Ultraleichtflugzeugs im Echtflugzeuglook anbietet.
Rund 40 000 Euro bei einem Basispreis von 12 000 Euro für den Bausatz ohne Motor, Propeller und Avionik (die Elektronik und Elektrik an Bord) wird der Volkspilot dafür berappen müssen. Die ursprünglich in Frankreich entwickelte Konstruktion zu optimieren und für den deutschen Markt anzupassen, war nun mit die Aufgabe der Ingenieure und Studenten an der Hochschule RheinMain.
Den Kontakt zu den Ober-Olmer Flugzeugbauern hatte Diplom-Ingenieur Uwe Bernhardt, technischer Leiter der von Professor Peter Fröhlich vor zehn Jahren gegründeten ULF-AG, geknüpft. Zustandegekommen auf dem Flugplatz bei Langenlonsheim, wo der seit Kindesbeinen vom Fliegen und Flugzeugen faszinierte aktive Flieger den ebenfalls Flugbegeisterten Martin Manthey, Betriebsleiter der Volksflugzeug GmbH, kennen lernte.

Und so traf im Januar 2011 ein Bausatz aus Ober-Olm in der Halle am Brückweg ein, geknüpft an Aufgabenstellungen, Ziele und Wünsche des Herstellers, dem Flieger etwa einen stärkeren Boxer-Motor zu verpassen, von 80 auf 100 PS hochzurüsten oder die Bespannung der Rahmenkonstruktion stabiler zu machen. Alles unter Wahrung der Gewichtsobergrenze von 472,5 Kilogramm, schwerer dürfen Ultraleichtflugzeuge nicht sein.
Mustafa Celik etwa stellte sich der Aufgabe, für den größeren Motor eine neue Motorhaube zu gestalten, eine Anforderung an den Designer, was der Master-Student in „Product Development and Manufacturing“ bei Opel gewesen ist, bevor er ein Studium anhängte. Die ehemaligen Kollegen unterstützten ihn beim Haubendesign, digitalisierten zunächst die alte Haube mit einem hochmodernen 3-D-Scanner, die Celik am Computer neu gestaltete, und auch der Formenbau war Opelsache. Und schon hatte der Vogel eine neue, geschmackvoll gestaltete Nase.
Die Grundlage für alle Modifikationen am Flieger leisteten die Maschinenbaustudenten Mario Philip und Alexander Roistacher, die das Basisflugzeug vermaßen, um es als CAD-Modell im Computer abzubilden. Bernhardt selbst etwa optimierte für die Kabine die Verbindung zwischen der Rahmenkonstruktion und den Scheiben.
Beim Aufbau des Bausatzes halfen und lernten fürs spätere Berufsleben die Maschinenbaustudenten Andreas Meyer, Manuel Weber und Stephan Bamberg.
Trotz Heizung in der Kabine ist der Jungfernflug für März/April geplant, dann werden Pilot Bernhardt und die vielen jungen Väter des Flugzeugs in Langenlonsheim feiern, und natürlich darf jeder mitfliegen. Eine übrigens recht sichere Sache, denn jedes Ultraleichtflugzeug muss mit einem Raketensicherungssystem ausgestattet sein. Auch das Rüsselsheimer Poly-Konstrukt hat hinten in der Kabine einen Sack mit 100 Quadratmeter Fallschirm, der bei Absturzgefahr gezündet wird und Flugzeug und Insassen glimpflich zu Boden gleiten lässt.